Welpe als Bürohund
Leben mit Hund,  Welpe

Ein Welpe als Bürohund

Ein Hund im Büro – für die einen undenkbar, für andere völlig normal. Bei meinem vorherigen Arbeitgeber waren Hunde ein absolutes No-Go. Die Chefs haben regelmäßig die „no dog policy“ betont, um auch ja sicherzustellen, dass keiner auf die Idee kommt, zu fragen. 😀 Mit meinem Jobwechsel im Juni hat sich nicht nur meine persönliche Situation deutlich verbessert (vorher bin ich täglich von Bochum nach Köln gependelt), sondern auch die Einstellung zu Hunden. Natürlich gab es damals nur Nala in unserem Leben. Die hat mich zwar auch ab und zu ins Büro begleitet, allerdings nie über einen regelmäßigen Zeitraum. Anders sieht es jetzt bei Lotte aus – und von meinen Erfahrungen mit Welpe als Bürohund wollen wir gerne berichten.

Wo arbeite ich und wie ist unsere Situation im Büro?

Ich arbeite in einer kleine Agentur für Tourismus-Marketing. Wir sind unter zehn feste Mitarbeiter, von denen zwei auch noch im Ausland sitzen. Daher ist es bei uns in der Agentur meist ruhig, wodurch es natürlich deutlich einfacher ist, einen Hund in den Arbeitsalltag zu integrieren. In der Kommunikationsagentur, in der ich zuvor tätig war, war es deutlich hektischer, wuseliger und alle sind von A nach B gerannt. Ein Ort, an dem nur ein ziemlich ruhiger Hund entspannt bleiben kann. Nala wäre wahrscheinlich wahnsinnig geworden, weil sie jedes Mal geschaut hätte, wer wohin geht. Die Voraussetzungen sind also schon mal deutlich besser.

Lotte auf der Decke

Absprache muss sein

Schon bevor wir uns überhaupt dafür entschieden haben, Lotte anzuschauen, habe ich mit meinem Chef und meiner Kollegin gesprochen. Ich sitze mit einer weiteren Kollegin in einem Zwei-Raum-Büro, die ist zum Glück sehr tierlieb. Mein Chef auch – der hat mir auch direkt zugesagt, dass ich einen Welpen mit ins Büro nehmen dürfte. Er will zwar ungern, dass es eine komplette Dauerlösung wird, aber das war auch nie unser Plan.

Generell müssen wir durch Pias Schichtdienst am Tag nur ein paar Stunden überbrücken – entweder die Zeit, bis Pia mittags wieder nach Hause kommt oder die zwischen Beginn der Spätschicht und meinem Feierabend. Nala bleibt diese paar Stunden problemlos alleine zuhause und das ist auch unser Ziel mit Lotte. Aber natürlich ist so eine Regelung anfangs (und bis der Hund gelernt hat, stressfrei alleine zu bleiben) nicht möglich. Daher war es wichtig, dass mein Büro kein Problem mit dem Welpen bzw. Junghund hat, sonst hätten wir uns vorerst keinen Zweithund dazu geholt.

Bevor ihr plant, euren Hund mitzunehmen, gilt es also sowohl den Vorgesetzten als auch eure Kollegen zu fragen – zumindest die, die ständig mit dem Hund in Kontakt sind. Es kann immer sein, dass jemand im Büro Angst vor Hunden, oder sogar eine Allergie gegen sie hat.

Ein Hund fürs Wohlbefinden

Wenn euer Chef noch leichte Bedenken hat, dann erzählt ihm folgendes: Es gibt Studien, die besagen, dass Hundebesitzer, die ihre Vierbeiner mit zur Arbeit nehmen dürfen, sich deutlich weniger gestresst fühlen als ihre Kollegen. Außerdem kann ein Hund am Arbeitsplatz „die Zufriedenheit aller Mitarbeiter einer Organisation steigern.“

Zusätzlich gibt es viele Forschungen, die die Ausschüttung des Hormons Oxytocin betrachten. Dieses schütten Menschen und Hunde bei regelmäßigen Streicheleinheiten aus. Oxytocin animiert zu sozialen Kontakten, verlangsamt die Herzfrequenz, senkt den Blutdruck und hilft das Stresshormon Cortisol abzubauen. Hinzu kommt natürlich der positive Einfluss vom Gassi gehen – man kommt an die frische Luft, verlässt mal kurz seinen Schreibtisch, bekommt etwas Bewegung; all das ist gut für die Gesundheit.

Und zu guter Letzt: Bürohunde sind gut fürs Image. Nicht umsonst haben vor allem viele Agenturen ihre Bürohunde mit auf den Team-Webseiten eingebaut. Sowohl Lotte als auch Nala sind übrigens auch auf unserer Webseite vertreten. 🙂

Der positive Effekt macht sich auch bei uns im Büro immer wieder bemerkbar. Stressige Situation? Kein Ding, einmal den Hund anschauen und die Welt ist wieder schöner. Schlechte Laune am Morgen? Nicht, wenn man schwanzwedelnd begrüßt wird, sobald man das Office betritt. Meine Kollegen – und auch mein Chef – freuen sich immer, wenn die Vierbeiner reingewatschelt kommen. 🙂

Bürobox

Unsere Tipps für eine gute Zusammenarbeit

  • Eigener Rückzugsort: Ich habe für Lotte eine Box mit im Büro. An diese haben wir sie direkt schon zuhause gewöhnt und Lotte hat sie sehr schnell als Ruhezone akzeptiert. Im Büro wusste sie so vor allem anfangs sehr genau, wo sie sich hin zurückziehen konnte, wenn es etwas wuseliger wurde. Das macht sie übrigens immer noch – beispielsweise wenn Kollegen ins Büro kommen, die sie nicht so oft sieht. Außerdem kann man die Box natürlich schließen. Als vor Kurzem der Fensterputzer bei uns war, wurde Lotte kurzerhand in die Box gepackt, damit sie ihm nicht vor den Füßen rumläuft.
  • Den Hund „einschränken“: Unser gesamtes Büro besteht natürlich aus mehreren Räumen, bei uns stehen überall die Türen offen. Ich persönlich finde, dass mein Hund nichts in den Büros der anderen Kollegen zu suchen hat – auch wenn die damit wahrscheinlich kein Problem hätten. Jeder darf Lotte natürlich gerne besuchen, aber ich möchte sehen, was mein Hund anstellt und ob sie Quatsch macht. Lotte holt beispielsweise gerne die Erde aus den Blumentöpfen, und das muss wirklich nicht sein. Da bei uns, wie gesagt, die Bürotüren immer offen stehen und ich das nicht ändern wollte, habe ich einfach eine kleine Hürde für den Hund (und uns…) aufgestellt. Aktuell ist es ein schmaler Tisch, über den wir alle gut drüber steigen können, Lotte allerdings nicht. Minikleine Sporteinheit für uns, Hürde für den Hund.
  • Pipi-Wecker: Lotte ist stubenrein zu uns gekommen und sie hält schon ziemlich gut aus. Ein kleines Problem ist aber, dass Lotte nicht richtig anzeigt, wenn sie muss. Sie jault nicht, sie bellt nicht, sie dreht sich nicht im Kreis oder schnüffelt nach einer Stelle. Wenn sie muss, dann setzt sie sich einfach hin und macht – draußen ein Segen, drinnen kann es ein Fluch sein. Um zu verhindern, dass sie bei uns ins Büro macht, habe ich mir anfangs ganz einfach einen „Pipi-Wecker“ gestellt. Alle zwei Stunden bin ich in der ersten Woche mit Lotte raus, danach wurde der Wecker zwei Stunden weitergestellt. Als Lotte sich schon etwas ans Büro gewöhnt hatte, bin ich dazu übergegangen, jedes Mal mit ihr rauszugehen, wenn sie wach geworden und durchs Büro getapst ist. Wenn sie schläft, dann schläft sie.

Ruhe im Büro

Lotte ist zum Glück an sich schon sehr ruhig und hat vor allem in den ersten Bürowochen so gut wie nur geschlafen. Generell ist es mir aber sehr wichtig, dass sie das Büro nicht mit einem Partyort verwechselt. Neben dem eigenen Rückzugsort hat Lotte eine Decke in ihrer Lieblingsecke des Büros liegen. Wie gesagt – Lotte ist sehr ruhig und entspannt. Als ich Nala mit im Büro hatte, habe ich sie zeitweise mit der Leine an meinem Schreibtisch festgemacht. Sie neigt nämlich dazu, jedem Menschen hinterher zu dackeln, das konnte ich so verhindern. So war sie gezwungen, sich neben meinen Schreibtisch zu legen und hat sich nach kurzer Zeit entspannt.

Lotte Kuscheltiere

Strategien gegen Langeweile

  • Kausnacks: Damit Lotte nicht alles anfrisst (besonders gerne mag sie die Stuhlbeine aus Holz in unserer Sitzecke), habe ich eine ganze Menge Kausnacks in meinem Büro. Gab es in eurer Kindheit auch eine Schublade mit Süßigkeiten? Sowas gibt es bei mir im Büro für die Hunde… Tut euch und euren Kollegen einen Gefallen und seht von Kauartikeln ab, die sehr stark riechen. Pferde-Nasenknochen zum Beispiel – der absolute Horror… Ochsenziemer zum Beispiel geht ganz gut und hält auch sehr lange. Zusätzlich habe ich noch ein Kaffeeholzstab zum Kauen im Büro. Ein paar unserer Tipps für Kauartikel gibt es übrigens auch auf unserem Blog.
  • Spielzeug: Lotte hat eine kleine Auswahl an Spielzeugen im Büro. Ganz wichtig: Keins davon quietscht oder macht irgendwelche anderen Geräusche. Hauptsächlich hat Lotte ein paar Kuscheltiere dort, auf denen sie rumkauen kann. Für Nala habe ich immer noch einen Ball für die Mittagspause mit, damit sie sich kurz auspowern kann.
  • Schnüffelteppich: Lotte schläft zwar immer noch unfassbar viel im Büro, aber zwischendurch ist ihr doch ganz schön langweilig. Dagegen habe ich jetzt unseren Schnüffelteppich mitgenommen. Wenn Lotte anfängt, im Büro Quatsch zu machen, wird ein bisschen Trockenfutter auf dem Teppich verteilt und Lotte kann loslegen. Vor allem bei Welpen immer drauf aufpassen, dass sie nicht anfangen, den Teppich zu zerstören. Das macht Lotte nämlich ganz gerne, wenn sie nichts mehr findet. Aber sonst hat sie großen Spaß am Suchen und die Langeweile verschwindet.
  • Kleine Trickeinheiten: Ich habe mir angewöhnt, mir selbst und Lotte kurze Einheiten zu gönnen, in denen wir ein bisschen üben. Nachdem Lotte geschlafen hat, schnappe ich mir Trockenfutter und trainiere fünf Minuten mit dem Vierbeiner – aktuell hauptsächlich Sitz, Platz und Komm. Dann muss Lotte kurz ihr Köpfchen anstrengen und kann danach wieder weiterschlafen. 🙂

Wie ist es bei euch? Dürfen eure Hunde mit ins Büro? Wenn ja, habt ihr Tipps und Tricks, wie alle möglichst viel Freude daran haben? Berichtet gerne in den Kommentaren!

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