Norwegen

Auf zum Preikestolen mit Hund

Heute war mit Abstand unser schönster Tag in Norwegen – und das, obwohl es zunächst nach einer großen Enttäuschung aussah. Bereits gestern habe ich berichtet, dass wir heute auf den Preikestolen wandern wollen. Der Preikestolen ist eine Felskanzel, die sich 604 Meter über den Lysefjord erhebt und zu der man eine tolle Tour unternehmen kann. 

Zum Preikestolen mit Hund

Angeschlagen sind 4-5 Stunden für Hin- und Rückweg und insgesamt ca. 8 Kilometer. Die Felsplattform ist eine richtige Touristenattraktion, vor allem, da die Wanderung nicht so anspruchsvoll ist wie die zu anderen tollen Aussichten. Daher haben wir uns auch entschieden, so früh wie (uns) möglich zu starten. Also haben wir unseren Wecker heute auf 5:30 gestellt, um 6:15 etwa hatten wir alles abgebaut, verstaut und saßen abfahrbereit im Auto. Von unserem Campingplatz waren es nur 4 Kilometer bis zum Wanderparkplatz, also konnten wir schon um etwa halb 7 los wandern. Und das war echt die beste Entscheidung! Die Personen, die wir auf der Strecke nach oben getroffen haben, konnte man nämlich an zwei Händen abzählen. Da es so leer war, konnten wir Nala ein bisschen frei laufen lassen und ganz entspannt nach oben wandern. Von der Strecke haben wir herzlich wenig gesehen, denn wir waren mal wieder komplett von einer Nebelwand umgeben. Die verfolgt uns irgendwie. Aber den ganzen Weg nach oben haben wir uns eingeredet, dass das sicher nur Morgennebel ist, der sich verzieht, sobald wir oben sind. Pustekuchen.

Preikestolen im Nebel
Die Felskanzel im Nebel
Preikestolen im Nebel
Na, wer glaubt, dass es hier direkt 600 Meter steil abwärts geht?

Der Preikestolen im Nebel

Das Schlechte an unserer Ankunft auf der Felskanzel war: Man hat nichts gesehen. Das Gute war: Man hat nichts gesehen. Eigentlich habe ich nämlich ziemliche Höhenangst, aber wenn man die 604 Meter nicht sieht, die es direkt neben einem in die Tiefe geht, kann man auch keine Höhenangst haben. Ist klar, oder?

Ziemlich frustriert haben wir uns erstmal auf die Felsplattform gesetzt und unseren Proviant ausgepackt. Immer in der Hoffnung, dass der Nebel gleich weg ist. Diese Hoffnung hatten mehrere Frühwanderer – immerhin war die Plattform zu diesem Zeitpunkt noch relativ leer, perfekt also, um die Aussicht möglichst alleine zu genießen. Angekommen sind wir übrigens nach 1 Stunde und 43 Minuten. Die Zeit verging und der Nebel blieb. Da bereits bei unserer letzten Wanderung die Aussicht ausgeblieben ist, haben wir auf der Plattform beschlossen, dass wir dort so lange sitzen bleiben, bis der Nebel weg ist – gesagt, getan. Insgesamt vier Stunden haben wir also auf der Felskanzel ausgeharrt. Um uns herum wurde es voller und voller, die Sonne kam und ging, der Nebel verzog sich nicht.

Höher als der Preikestolen

Immer mehr Wanderer verließen die Plattform und stiegen noch eine Ebene höher, das haben wir schließlich auch einfach mal gemacht. Und siehe da: Dort oben war es nicht nur leerer, sondern auch noch schöner und weitestgehend nebelfrei! Von weiter oben konnte man nämlich erkennen, dass tatsächlich nur die Felskanzel in einer Nebelwolke hängt – alles drum herum war frei. Also haben wir uns etwas entfernt und erhöht einen schönen Platz gesucht und dort die Aussicht (und die Sonne) so richtig genossen. Man kann es nicht anders sagen: Das lange Warten hat sich mehr als gelohnt! Und nicht auf der Plattform zu verweilen war genau die richtige Wahl. Dort ist es in der Zwischenzeit so unfassbar voll geworden. Ein Hochzeitspaar haben wir gesehen, mehrere Wanderer mit riesigen Norwegen-Flaggen und viele große Wandergruppen – dort unten konnte man weder entspannt sitzen noch schöne Fotos machen. Vor allem dann nicht mehr, als sich auch dort der Nebel lichtete und plötzlich alle zum Felsrand stürmten.

See auf dem Berg
Ein kleiner See oberhalb der Felskanzel
Preikestolen
Die Felskanzel von unserer Position aus
Unser Ausblick – das Warten hat sich gelohnt!

Der überfüllte Weg zurück

Dass unsere frühe Wanderung hoch das Beste war, was wir hätten machen können, hat uns auch der Rückweg gezeigt. Auch wenn wir ungefähr am längsten auf schönes Wetter warten mussten, hatten wir den entspanntesten Weg nach oben. Nicht nur, dass es plötzlich ziemlich warm war, was den Weg deutlich erschwerte, am schlimmsten waren die völkerwanderungsähnlichen Menschenmassen, die sich den Berg hochschoben. Das macht schon alleine keinen Spaß, mit Hund ist es allerdings noch nerviger. Ständig muss man im Blick haben, dass niemand auf den Hund tritt, dass sich der Hund nicht mit seiner Schleppleine irgendwo verhakt und alle zehn Meter bleiben Wanderer stehen, um den süßen Vierbeiner anzustarren. Davon angetrieben, möglichst schnell von den Massen wegzukommen, haben wir den Rückweg in etwa 1 1/2 Stunden geschafft. Insgesamt sind wir also etwas mehr als drei Stunden unterwegs gewesen, in denen wir 8 Kilometer zurückgelegt haben.

Fazit zur Wanderung

Generell ist die Wanderung wirklich schön zu laufen und auch mit Hund gut machbar. Es geht nicht komplett steil hoch, immer wieder läuft man auch durch gerade verlaufende Streckenabschnitte. Die Wege sind gut, teilweise sind sogar Stege errichtet, die einen über Wiesen und kleine Seen führen. Ein Großteil der Strecke führt über Geröll und Felssteine, deswegen ist gutes Schuhwerk absolut zu empfehlen. Ebenfalls Pflicht ist genug zu Trinken, da man (wenn sie scheint) nur durch die pralle Sonne läuft. Uns sind tatsächlich so viele Wanderer ohne irgendeinen Proviant entgegen gekommen. Was wir vergessen und später vermisst haben: Sonnencreme und eine Decke (oder ähnliches), um besser auf dem kalten Stein verweilen zu können. Das lag aber natürlich vor allem an unserem langen Aufenthalt…

Alles in Allem eine mehr als erfolgreiche Wanderung und die positive Erkenntnis, dass Norwegen unser Warten tatsächlich belohnt hat! 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.