Hund Nala
Leben mit Hund

Warum es manchmal anstrengend ist, einen süßen Hund zu haben…

Ein kleiner Rückblick: Mitten auf dem Preikestolen – ungefähr einen Meter neben uns der Punkt, an dem es 604 Meter steil heruntergeht – saßen wir und warteten darauf, dass sich endlich der Nebel verzieht. Etwa zwei Stunden, nachdem wir es uns dort gemütlich gemacht hatten, kam eine größere Wandergruppe und setzte sich direkt neben uns. Nala lag ganz entspannt bei uns, an ihrer Schleppleine befestigt und döste vor sich hin. Bis: „Oh, what a cute little dog!“

Es folgte das typische Anschnalzen des Hundes und schwups, Nala saß auf dem Schoß der fremden Touristin, freute sich wie eine Bekloppte und ließ sich streicheln und kuscheln. So weit, so gut, gegen ein kurzes Hallo sagen haben wir immerhin meistens nichts.

Das unhilfreiche Anschnalzen

Dann aber folgte, was häufig einfach wirklich anstrengend ist. Wir haben den Hund zurückgeholt, erneut dafür gesorgt, dass Nala entspannt auf dem Felsen liegt und hörten – das Schnalzen. Das gleiche Spiel wieder von vorne, sogar mit der gleichen Touristin. Kurz darauf hat auch der Rest ihrer Wandertruppe erkannt, was für ein „cute little dog“ das doch ist und ist gleich mal in das Schnalzen eingestiegen. Von Ruhe keine Spur mehr. Weder beim Hund, noch bei uns. Denn wir mussten ab sofort natürlich auch die ganze Zeit aufpassen, dass der Hund vor lauter Freude nicht die 604 Meter neben uns herabstürzt.

Kurz darauf sind wir geflüchtet, weg von der Felskanzel, weiter hoch zu dem Punkt, an dem wir später die Aussicht perfekt genießen konnten. Gefragt haben wir uns natürlich, ob die Touri-Gruppe nicht gemerkt hat, dass wir den Hund immer wieder zurückgerufen haben, dass wir immer wieder versucht haben, sie einfach ins Platz zu schicken. Und die wahrscheinliche Antwort ist: Nein, haben sie nicht. Keiner ruft einen Hund aus Boshaftigkeit immer wieder zu sich. Die meisten Menschen, die Hunde süß finden, jedoch keinen eigenen haben, nehmen schlicht und ergreifend nicht wahr, dass es sowohl anstrengend als auch pädagogisch nicht hilfreich ist, den Hund anzuschnalzen.

Hund
„Hallo, ist es okay, wenn ich dich zur Begrüßung anspringe?“

Baustelle: Personen anspringen

Ähnliche Situationen haben wir immer wieder beim Gassi gehen. Nala hat eine riesengroße Baustelle und die ist, dass sie ständig Leute zur Begrüßung anspringt. Dabei hat sie schon die ein oder andere Hose verschmutzt und – jeder Hundebesitzer mit ähnlichem Problem kennt das – uns in viele unangenehme Situationen gebracht. Wir versuchen Nala das Anspringen abzugewöhnen, indem wir sie mit den Knien rechtzeitig von uns stoßen. Zur Begrüßung schicken wir sie ins Sitz, gehen zu ihr runter in die Hocke und erst dann darf sie uns Hallo sagen. Von Hundebesitzern, die Nala anspringt, hören wir immer wieder: „Uns stört das Anspringen nicht, aber wir verstehen, dass sie es nicht soll“ – von vielen Nicht-Hundebesitzern kommt jedoch: „Ach, ist doch nicht schlimm, ist ja nur Dreck“. Und Nala wird in ihrer wilden Begrüßung bestätigt, schließlich ist die Freude beim unbekannten Zweibeiner groß. Immerhin „ist die ja so süß“.

Dann kommen allerdings die Personen, die es gar nicht so lustig finden, von einem übermütigen Mops angesprungen zu werden. Meist sucht sich Nala nämlich instinktiv auch noch die aus, die helle Hosen tragen. Und dann erklär mal einer dem Hund, warum sich die einen Personen freuen, die anderen aber nicht so. Nala beizubringen, Personen zur Begrüßung nicht anzuspringen, wenn sie von fremden Spaziergängern immer wieder darin bestärkt wird? Gefühlt ein Ding der Unmöglichkeit…

Hund mit Futter
„Darf ich bitte?“

Ungefragtes Füttern und Streicheln

Am schlimmsten ist jedoch die Kategorie sorgloser Nicht-Hundebesitzer, die den Hund ungefragt streichelt oder – noch schlimmer – ihm ungefragt irgendetwas zu essen gibt. So schnell kann man meist gar nicht gucken, wie der Hund plötzlich irgendwas im Mund hat und kaut. Und einem selbst bleibt dann nur die Frage, was genau wohl in der Schnauze gelandet ist?

Auf einem Campingplatz in Norwegen haben sich beispielsweise zwei kleine Kinder unsterblich in Nala verliebt und sie fleißig mit den Leckerlies gefüttert, die wir ihnen gegeben haben. Einen Tag später kam der kleine Junge wieder, um Nala zu streicheln und hat ihr dabei etwas aus der eigenen Hand zu fressen gegeben – was? Wir haben es nicht schnell genug erkannt.

Immerhin hat die Mama der beiden Kinder ganz lieb gefragt, ob sie den Hund mal streicheln dürften. Das ist keinesfalls selbstverständlich. Viele Menschen meinen nämlich irgendwie, es wäre ein gegebenes Grundgesetz, dass fremde Hunde ungefragt angefasst werden dürfen. Auch hier wissen wir: Das ist natürlich immer nett gemeint und auch durchaus verständlich, denn Nala ist halt einfach wirklich süß ;D Aber trotzdem wünscht man sich doch häufig einfach ein bisschen mehr Umsicht im Umgang mit fremden Hunden.

Liebe Nicht-Hundebesitzer, ihr wisst nie, ob ein Hund ängstlich ist, vielleicht sogar schnappt, wenn er sich erschreckt; was ein Hund an Futter verträgt und wovon er vielleicht Bauchweh bekommt oder ob die Besitzer möglicherweise gerade mit ihm trainieren – sei es Platz, Sitz, Ruhe oder Leute nicht anzuspringen. Keiner würde auf die Idee kommen, einfach fremde Kinder oder Menschen anzufassen, also habt doch auch ein bisschen mehr Rücksicht auf unsere Hunde. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.